Rennbericht
2. Lauf zur DRX Internationalen Deutschen Rallycross Meisterschaft 2007
28.29. April 2007 Circuit Estering, Buxtehude, Deutschland
Kommt ein Golf geflogen
Andreas Schrader kam als Tabellenführer der Deutschen Rallycross-Meisterschaft zum Estering. Der Überraschungssieg von Oschersleben hatte den Software-Unternehmer aus Bönningstedt vom Jäger zum Gejagten gemacht. Und nach den ersten beiden Qualifikationsläufen sah es so aus, als könnte Schrader aus dem Erfolg zum Saisonstart eine Serie machen. Mit seinem VW Polo S1600 fuhr er in Heat 1 Bestzeit, in Heat 2 musste er sich nur um Bruchteile einer Sekunde geschlagen geben.

Heat 1 Bestzeit! (kaisportpics.de)
Nach dem dritten Heat stand Schrader dann allerdings mit (fast) leeren Händen da. Er stieg aus einem heftig demolierten Auto, machte eine erste Schadensaufnahme und kletterte zum Interview auf den Turm der Rennleitung. Seine ersten Worte: „Zuerst eine Nachricht an meine Familie: Ich bin okay!“ Und dann erzählte er, dass kurz nach dem Start plötzlich von rechts ein Golf geflogen kam, es fürchterlich knallte und dass er noch dachte: Warum trifft es nicht einen anderen?
Schon bei der Startaufstellung zum dritten Heat ging ein Raunen durch die Buxtehuder Motorsportarena. Ganz außen links stand Schrader mit seinem VW Polo, daneben Lokalmatador Andreas Steffen im Citroën Saxo. Steffen hatte Schrader im vorherigen ganz knapp die Bestzeit weggeschnappt, jetzt ging es zwischen den beiden um die Pole-Position fürs Finale der Division 1A. Auf den restlichen drei Spuren standen Autos aus der Division 4, die von der Papierform etwas schneller sein sollten: Neben Steffen der Belgier Leo Blockx, dann Andreas Kramp im Opel Ascona B und schließlich, ganz innen auf dem besten Startplatz der Däne Keld Gammelgård Jensen im VW Golf. Da lag was in der Luft!
Die Startampel verlischt, erst hat Steffen die Nase vorn, dann Schrader, aber keiner kann sich entscheidend absetzen. Nach rund 50 Metern wird es eng, die Strecke macht einen Rechtsknick und ausgerechnet an dieser heiklen Stelle beginnt der Schotterbereich. Fünf Autos drängeln, kein Fahrer gibt nach, für den Golf ganz innen wird es immer enger, er fährt schon neben der Strecke im Sand. Plötzlich verkantet er sich an den Kerbs, das Auto hebt ab, bekommt noch einen Stoß von einem anderen Auto, schießt quer über die Fahrbahn, vorbei an drei Konkurrenten und rammt Schraders Polo. Staub wirbelt auf, und der Golf setzt zu einem doppelten Salto an. Dann Stille, der Staub legt sich, und aus dem Golf und dem Polo steigen Jensen und Schrader, offenbar unverletzt, sie winken den Fans zu. Erleichtertes Klatschen.

Heat 3 – der Crash! (lk)
Schraders Polo ist nicht mehr fahrbereit. Und er lässt sich so schnell auch nicht reparieren – jedenfalls nicht bis zum Finale. Antrieb und Motor sind defekt, alles andere wären Schönheitsreparaturen. Schrader zieht sich in sein Wohnmobil zurück, sieht sich das Unfallvideo von seiner Inboardkamera an, Fotografen kommen mit ihren Schnapschüssen, einer hat das Ganze von außen aufgenommen.
Kleiner Trost für Schrader: Weil er die ersten beiden Läufen so schnell war, wird er trotz des Ausfalls noch als Siebter in der Division 1A gewertet. Das sind weitere zehn Meisterschaftspunkte. Er fällt zwar auf Platz sechs in der Tabelle zurück, aber Schrader weiß inzwischen: „Der Titel ist keine Träumerei. Er ist möglich – mit ein wenig Glück.“ Diesmal hatte er sehr viel Pech.
Photos: Kai Hachulla (kaisportpics.de), Lars Katter(lk)
Text: Andreas Göhring
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